Sondermaschinenbau

6.04.2010 | von Redaktion |

Der Sondermaschinenbau ist aufgrund seines spezifischen Anforderungsprofils der vielleicht innovativste Zweig des Maschinenbaus, da jede Sondermaschine an und für sich eigentlich einen Prototyp darstellt, auch wenn dieser selten in Serie geht. Gleichzeitig ist der Sondermaschinenbau ein Exempel für konzeptionelle Flexibilität und Kundenkommunikation, da jede Maschine individuell nach Kundenwünschen gefertig wird.

Dabei verläuft das Ausmaß der Individualisierung auf drei möglichen Ebenen. Die in ihren Ausläufen noch andauernde Wirtschaftskrise und die damit einhergehenden Sparmaßnahmen gerade im Maschinenbau hat den Sondermaschinenbau in dieser Hinsicht stark beeinflusst. So stand hier noch bis vor etwa drei Jahren die komplette Neuentwicklungen einzelner Maschinen nach Unternehmensbedürfnissen im Vordergrund. Nicht nur einzelne Maschinen, ganze Fertigungs- und Montagestrassen wurden von Grund auf einzigartig konzipiert und ausgeführt. Diese immens effektive, aber gleichzeitig kostenintensivste Form des Sondermaschinenbaus in Form der Herstellung von Einzelstücken oder kleinen Stückzahlen hat im Zuge nachlassender Investitionsbereitschaft und verstärkten Controllings etwas nachgelassen. Dem gegenüber haben sich die beiden anderen Aufgabengebiete des Sondermaschinenbaus ausgeweitet.

Fabrikhalle

Viele Fabriken sind heute gefüllt mit Sondermaschinen

Damit ist als Erstes die Anpassung vorhandener Geräte an produktionsspezifische Kundenkontexte gemeint. Allerdings täuschen sich auch Auftraggeber hier häufig hinsichtlich des Aufwandes: solche Anpassungen können die beteiligten Techniker und Ingenieure vor komplexe Probleme stellen, birgt doch die nachträgliche Konfektionierung einer vorhandenen Maschine höhere konzeptionelle Einschränkungen als der Bau einer völlig Neuen. Die zweite Möglichkeit ist eine Neuausrichtung und Optimierung des vorhandenen Maschinenparks durch gezielte Umrüstungsmaßnahmen mit Hilfe vom re-modelling einzelner Komponenten. Hier zeigt sich die Flexibilität und Kreativität von Entwicklern in besonderem Maße, da sie auf Vorhandenes, aber nicht selbst Konstruiertes aufsetzen müssen.

Hinsichtlich der Servicekomponente im Sondermaschinenbau zeigt sich ein Trend zur umfassenden, nachhaltigen und deutlich servicebetonten Auftragsabwicklung. Dabei werden die einzelnen Schritte im Bauprozess oft auch gesondert angeboten. Gerade die erste Phase, in der es um Konzeption und Layout geht, bedingt eine ausgeprägte Kommunikation zwischen Maschinenbauer und Kunde. Diese wird immer häufiger durch moderne Simulations- und Designsoftware unterstützt. Gerade beim verstärkten Einsatz von Robotik innerhalb der Sondermaschine oder des Maschinenverbundes wird durch die komplette Simulation des Prozesses Zeit und Geld gespart und teure Reevaluationsprozesse während der Fertigung ausgeschlossen. Es folgen Konstruktion und Fertigung, die klassischen Pfeiler des Sondermaschinenbaus. Interessant ist die folgende Abtrennung von der Montage, die natürlich über schlichte Lieferung hinausgeht, und als eigener Kostenfaktor herausgerechnet werden kann. Ebenfalls noch längst nicht selbstverständlich für Sondermaschinenbauer ist die abschließende, umfassende Dokumentationserstellung, sowie die nachhaltige und kontinuierliche Wartung der stehenden Anlagen. Letztere lohnen natürlich nur bei großen Anlagen oder ganzen Fertigungsinseln, nicht bei kleinen Handvorrichtungen oder Einzelmaschinen. Es lässt sich aber auch beobachten, dass Aufträge für solch kompaktere Sondermaschinen inzwischen ebenso gerne angenommen werden wie Großaufträge – nicht zuletzt, weil die so entstehenden Prototypen oft den kreativen Anlass für eine Serienproduktion bieten können.

Durch die Internationalisierung des gesamten Maschinenbaumarktes nehmen auch die Anforderungen an den Sondermaschinenbau zu. Das zwingt zu innovativem Engineering, und gleichzeitig dazu, sich global mit Wettbewerbern auseinanderzusetzen. Es bleibt eine Herausforderung, im Preiskampf mit Niedriglohnländern auf die immer noch sehr guten Arbeitsbedingungen in Deutschland zu verweisen, sowie auf die traditionell hochwertigen Materialien und die hochpräzisen Fertigungsverfahren, die einer ständigen gesetzlichen Qualitätskontrolle unterliegen.

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